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Der Deutsche Tennis Bund: Ein Verband - viele Gesichter
Nicole Pingel
Hamburg - Rund 1,6 Millionen Menschen spielen in deutschen Vereinen Tennis und machen den Deutschen Tennis Bund (DTB) zum mitgliederstärksten Tennisverband der Welt. Die Serie "Ein Verband - viele Gesichter" wirft einen Blick hinter die Kulissen des DTB und stellt die Menschen vor, die sich dort engagieren. Eine von ihnen ist Nicole Pingel aus dem Bereich Jugendsport.

Nicole Pingel wirft einen prüfenden Blick auf das Display ihres läutenden Telefons und lächelt entschuldigend: "Können wir das Interview vielleicht kurz unterbrechen? Das ist das Bezirksregierungsamt in Köln und auf deren Rückruf habe ich schon gewartet." Bezirksregierungsamt? Köln? "Ja, es geht um die vorzeitige Erteilung einer Fahrerlaubnis für eine 17jährige Kaderspielerin aus Nordrhein-Westfalen. Das Mädchen muss jeden Tag fast 200 Kilometer mit Bus und Bahn pendeln und deshalb habe ich gemeinsam mit den Eltern eine Sondergenehmigung beantragt", erklärt Pingel.

Seit Ende 2008 ist die 40jährige Hamburgerin beim DTB für den Bereich Jugendsport zuständig. Eltern von hoffnungsvollen Nachwuchstalenten Hilfestellung zu leisten, das ist eine von vielen Aufgaben in ihrem Job: "Auf hohem Niveau Tennis zu spielen ist für die meisten Familien mit zeitlichen und finanziellen Opfern verbunden. Wenn ich sie durch einen einfachen Anruf oder ein kurzes Schreiben entlasten kann und die Jugendlichen dadurch dabei bleiben, mache ich das natürlich gerne." Besonders bei den Eltern der jüngeren Tennis-Kids ist der Rat von Nicole Pingel häufig gefragt: "Die sind noch nicht so erfahren und brauchen Unterstützung, zum Beispiel beim Anmeldeverfahren für die europäischen Nachwuchsturniere. Je älter die Kinder jedoch werden, desto routinierter sind die Eltern dann auch und kümmern sich selbst um solche Angelegenheiten."

Auch wenn es bei einem Turnier organisatorische Probleme gibt, ist Mallorca-Liebhaberin Pingel zur Stelle. Schwierigkeiten mit den Eltern der Nachwuchstalente hatte sie dabei noch nie. "Da habe ich bislang wirklich nur positive Erfahrungen gemacht. Zumeist werden Tennis-Eltern ja eher als schwierig wahrgenommen. Dabei vergessen viele, wie hart es sein kann, die richtigen Entscheidungen für den eigenen Nachwuchs zu treffen." Neben dem Kontakt zu Eltern und Trainern liegt der Norddeutschen der Draht zu den Kids besonders am Herzen. "Ich möchte, dass der DTB für junge Talente greifbarer wird und die Jugendlichen auch mal selbst den Hörer in die Hand nehmen, wenn sie Hilfe brauchen."

Dem DTB ein Gesicht geben - auch aus diesem Grund reist Nicole Pingel regelmäßig zu nationalen Großveranstaltungen wie den Deutschen Jugendmeisterschaften oder den Cilly Aussem- und Henner Henkel-Spielen. Vor Ort arbeitet sie in der Turnierorganisation und pflegt unter anderem die Ergebnisse in die Internet-Plattform "TV Pro-online" ein, wo sie für jedermann abrufbar sind. "Da darf man trotz der Flut an Resultaten keine Fehler machen, schließlich informieren sich Tennis-Interessierte aus dem ganzen Bundesgebiet sowie auch einige Pressevertreter über dieses Portal", berichtet die DTB-Mitarbeiterin. Auch an der Vorbereitung solcher Veranstaltungen ist Pingel, die in ihrer Freizeit gerne mal über die Hamburger Alsterkanäle paddelt, beteiligt. Gemeinsam mit DTB-Vizepräsident und Jugendwart Herbert Fuchs und Jugendausschuss-Mitglied Henner Steuber erarbeitet sie die Ausschreibungen und informiert die Jugendwarte der Landesverbände. "Die Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt ist sehr wichtig. Ohne die zahlreichen engagierten Helfer wären die umfangreichen Aufgaben im Jugendsport nicht zu bewältigen."

Weitere organisatorische Tätigkeiten übernimmt die begeisterte Pokerspielerin, wenn es um die Vorbereitung der Lehrgänge sowie der Reisen der deutschen Jugend-Teams zu den Tennis Europe Cups und zu den ITF-Mannschaftsweltmeisterschaften geht: "In Abstimmung mit unseren Bundestrainern Peter Pfannkoch, Hans-Peter Born und Barbara Rittner melde ich die Teams und informiere die nominierten Spielerinnen und Spieler." Zudem kümmert sie sich um die Ausstattung der Aktiven. Natürlich fiebert Pingel auch mit dem deutschen Nachwuchs mit: "Als unser Junior Fed Cup Team um Annika Beck, Anna-Lena Friedsam und Stephanie Wagner im Jahr 2009 Vize-Weltmeister geworden ist, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Die Mädels sind wirklich talentiert und allesamt super sympathisch."

Mit Anna-Lena Friedsam war Nicole Pingel im Sommer dieses Jahres auf besonderer Mission unterwegs. In Berlin vertraten die beiden die Sportart Tennis beim "Youth Olympic Day", der Einstimmung auf die erstmals ausgetragenen Olympischen Jugendspiele in Singapur. Gemeinsam mit Abgesandten der anderen DOSB-Mitgliedsverbände nahmen sie an der Feier zur Ankunft des Olympischen Feuers teil. "Das war sehr stimmungsvoll und insgesamt ein tolles Erlebnis. Man hat ja nicht so häufig die Gelegenheit, sich mit Vertretern und Athleten der anderen Verbände auszutauschen." Zuvor hatte Nicole Pingel den DTB bereits bei den Olympia-Vorbesprechungen in der Frankfurter DOSB-Zentrale repräsentiert. "Es ist wichtig, dass wir uns dort zeigen und an den Projekten des DOSB beteiligen. Auch wenn im Tennis einiges etwas anders läuft als bei den übrigen Olympischen Sportarten - wir gehören in diesen Kreis und wollen uns dort engagieren."

Die gelernte Verwaltungsfachangestellte arbeitet zwar erst seit zwei Jahren im Jugendsport, ist aber bereits seit 1995 beim Deutschen Tennis Bund angestellt. "Ich habe vorher der Abteilung Finanz- und Rechnungswesen angehört, aber im Zuge interner Umstrukturierungen den Jugendsport sowie den Bereich Regelkunde und Schiedsrichterwesen übernommen", erzählt Nicole Pingel. "Was mir an meinem derzeitigen Job besonders gefällt, das sind die vielfältigen Kontakte. Früher hatte ich immer nur die Abrechnungen der Trainer, Funktionäre und Aktiven auf meinem Schreibtisch. Jetzt kenne ich auch die Gesichter dazu."

Der Job beim DTB ist für Pingel in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall: "Zunächst einmal liebe ich Tennis und spiele seit meinem 13. Lebensjahr begeistert im Verein. Darüber hinaus habe ich in der DTB-Geschäftsstelle sehr nette Kollegen, das findet man in dieser Form nicht allzu oft." Zu diesem guten Betriebsklima leistet Nicole Pingel selbst einen nicht unerheblichen Beitrag. So ist sie die Mannschaftsführerin und gute Seele der DTB-Betriebssportmannschaft und nimmt auch Firmen-Neulinge regelmäßig unter ihre Fittiche. "Das mache ich doch gerne", lacht sie. "Schließlich hat mir der Job beim Deutschen Tennis Bund bislang nur Gutes beschert, nicht zuletzt meinen Ehemann." Den lernte Nicole Pingel nämlich auf ihrer ersten DTB-Weihnachtsfeier kennen.

Sie haben einen Teil unserer Serie "Ein Verband - viele Gesichter" verpasst? Kein Problem! Klicken Sie einfach HIER, scrollen Sie etwas herunter und erfahren Sie mehr über den DTB und seine Mitarbeiter.

 

 

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Erstellt durch Isabelle Chlosta, 30.11.2010

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