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Der Deutsche Tennis Bund: Ein Verband - viele Gesichter
Bernd Sehland
Hamburg - Rund 1,6 Millionen Menschen spielen in deutschen Vereinen Tennis und machen den Deutschen Tennis Bund (DTB) zum mitgliederstärksten Tennisverband der Welt. Die Serie "Ein Verband - viele Gesichter" wirft einen Blick hinter die Kulissen des DTB und stellt die Menschen vor, die sich dort engagieren. Einer von ihnen ist Bernd Sehland, zuständig für die Poststelle und Hausdienste.

"Wer mich als das sprichwörtliche ,Mädchen für alles' bezeichnet, der trifft damit den Nagel voll und ganz auf den Kopf", schmunzelt Bernd Sehland. Der 48jährige besetzt seit 2007 die Poststelle beim Deutschen Tennis Bund und hat darüber hinaus eine Vielzahl weiterer, äußerst unterschiedlicher Aufgaben zu bewältigen: "Das sind grob gesagt die Bereiche Sicherheit am Arbeitsplatz, Materialbeschaffung sowie die Instandhaltung und Wartung des DTB-Hauptgebäudes am Rothenbaum", erklärt der gebürtige Hamburger und wischt sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn.

24.000 Tennisbälle und ein Schiedsrichterstuhl

"Mein Job beinhaltet zum Teil harte körperliche Arbeit", so der überzeugte Fan des 1. FC St. Pauli. "Gerade eben zum Beispiel habe ich einen Schiedsrichterstuhl für den Versand ins niederländische Rosmalen vorbereitet." Der Stuhl gehört eigentlich der ATP, ist aber hier in Hamburg "geparkt" und wird bei Bedarf an Turnierveranstalter in ganz Europa verliehen. "Mit einem Gewicht von ungefähr 150 Kilo ist das schon ein ordentliches Pfund, was ich da zu bewegen habe." Doch Bernd Sehland ist nicht nur für das Verpacken und Verladen von derartigem Sperrgut zuständig, auch die Verteilung sämtlicher Bälle für die Bundesligen, die Großen Spielen der Verbände sowie sonstiger nationaler Wettbewerbe liegt in seinen Händen: "Die großen Hersteller liefern ihre Paletten hier in die Hallerstraße. Ich packe die Bälle um und verschicke sie anschließend an Vereine, Verbände und Turnierveranstalter - pro Saison sind das etwa 24.000 Bälle." Darüber hinaus ist der Hobbykoch auch für den gesamten Brief- und Paketversand des DTB sowie für die Sortierung und Verteilung der eingehenden Post verantwortlich.

Der Materialeinkauf für die Geschäftsstelle und die Verwaltung der Lagerbestände sind ebenfalls Aufgaben, die Bernd Sehland zu bewältigen hat. "In erster Linie geht es da natürlich um Büromaterialien. Ich hole Angebote ein, bestelle die Ware und verteile sie." Das ist mehr Aufwand, als man vielleicht annehmen mag, denn es handelt sich um Bestellungen in großem Umfang. "Ein bis zweimal im Jahr ordere ich 40 Kartons Kopierpapier à 2.500 Blatt, also insgesamt jährlich 100.000 Blatt. Wobei man sagen muss, dass der Verbrauch in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat." Was nicht nur an den vorgenommenen Sparmaßnahmen liegt, sondern auch daran, dass ein Großteil der Kommunikation mittlerweile papierlos per E-Mail erfolgt. "Ganz früher wurde zum Beispiel der wöchentliche DTB-Newsletter ausgedruckt, kopiert und per Post verschickt. Das hatte einen immensen Papierverbrauch zur Folge."

Logistische Koordination bei den German Open

Auch die Vorbereitung von Veranstaltungen und Sitzungen in den Räumlichkeiten der DTB-Geschäftsstelle ist ein Fall für den begeisterten Drachenflieger. "Ich sorge für Getränke, betreue die Caterer und nehme den technischen Aufbau vor." Einmal im Jahr verwandelt sich einer der Konferenzräume mit seiner Hilfe in das Turnierbüro, die Schaltzentrale der German Open: "Während des ATP-Turniers ist meine Hauptaufgabe aber eigentlich die logistische Betreuung der Lieferanten." Wer kommt wo und wie mit seinem LKW auf das Gelände? Wer darf seine Ware wo entladen? All diese Fragen beantwortet der gelernte KFZ-Mechaniker und überwacht daneben noch die gesamte Haustechnik, sprich Heizungen, Lüftungen und die Stadion-Dachpumpen.

Die ganzjährige und sehr aufwendige Stadion- und Gebäudeerhaltung erledigt Sehland in enger Abstimmung mit Gebäudemanager Thomas Kastner. "Kleinere Reparaturen - auch bei den diversen Mietern der Büros im Stadionbauch - mache ich selbst, für größere Sachen beauftrage ich externe Firmen. Zudem organisiere ich sämtliche Wartungstermine, zuletzt waren die Aufzüge dran." Auf den leidenschaftlichen Fanø-Urlauber ist immer Verlass, so auch vergangenes Jahr zu Weihnachten. Damals hatte ein Heizungsdefekt für die Überschwemmung der Kellerräume gesorgt. "Das war am 1. Weihnachtsfeiertag. Ich bin dann sofort an den Rothenbaum gefahren und habe das Wasser abgedreht. Sobald es ging, habe ich die Reparatur der Heizung in die Wege geleitet."

Oberfeldwebel mit Fahrlehrerschein

Zum Deutschen Tennis Bund kam Bernd Sehland vor rund vier Jahren über eine Initiativbewerbung: "Mein Vorgänger Uwe Holling gab mir den Tipp, mich beim DTB vorzustellen. Ich habe damals als Fahrlehrer gearbeitet, wollte mich aber beruflich verändern." Wer seinen Lebenslauf liest, der ahnt es schon: Der Hamburger hat einiges erlebt und auch einiges zu erzählen. Bis 1993 war Sehland Zeitsoldat, bei der Bundeswehr machte der Oberfeldwebel seinen Meister für Bürowirtschaft. Nach dem offiziellen Dienstzeitende folgte eine Ausbildung zum Bürokaufmann für Lohn- und Gehaltsbuchhaltung. Im Anschluss wurde er von seinem Ausbilder, einem mittelständischen Personaldienstleister, übernommen. Dort arbeitete er als Fuhrparkleiter bis er 1998 seinen Fahrlehrerschein in der Tasche hatte. In seiner Zeit "auf der Straße" hat Bernd Sehland "vom Botschafter bis hin zu den Damen von der Reeperbahn so ziemlich alles bei mir im Auto gehabt."

Nach fast zehn Jahren, in denen er immer unterwegs war, bedeutet der Job beim DTB für Bernd Sehland nun aber alles andere als Stillstand. "Neue Herausforderungen gibt es immer. Beispielsweise bin ich seit kurzem für das Thema ,Sicherheit am Arbeitsplatz' zuständig und werde bald einen Lehrgang bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft absolvieren", berichtet der Norddeutsche, der in seiner Freizeit nicht nur Drachen fliegen lässt, sondern sie auch selbst baut und näht. Die Wartung und Pflege der Brandschutzvorrichtungen in der DTB-Geschäftsstelle hat er schon vor einiger Zeit übernommen. Dazu gehört die Kenntlichmachung der Fluchtwege, die Installation und Instandhaltung der Feuerlöscher und auch die Brandschutzbegehung mit der Feuerwehr Hamburg. Es gibt also genug zu tun - aber wenn die Zeit es zulässt, verfolgt Bernd Sehland auch die Auftritte der DTB-Profis auf der ATP- und WTA-Tour. "Am Anfang hatte ich mit Tennis gar nichts am Hut, aber mittlerweile bin ich ein richtiger Fan. Vor allem unseren Fed Cup Mädels drücke ich immer fest die Daumen!"

Sie haben einen Teil unserer Serie "Ein Verband - viele Gesichter" verpasst? Kein Problem! Klicken Sie einfach HIER, scrollen Sie etwas herunter und erfahren Sie mehr über den DTB und seine Mitarbeiter.

 

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Erstellt durch Isabelle Chlosta, 01.06.2011

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