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"Andy Roddick hat mir die Augen geöffnet"
Fokussiert: Youngster Dominik Schulz (Foto: M.Davies)
Hamburg - "Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr ein Junior Grand Slam Turnier zu gewinnen, in die Top 5 der Juniorenweltrangliste vorzustoßen und im Herrenbereich erste Erfolge zu erzielen." Gestatten: Dominik Schulz, 17 Jahre alt und die Nummer eins in Deutschland. Das Nachwuchstalent aus München weiß ganz genau, was es will und arbeitet hart dafür.

Die Ziele des Teenagers sind einerseits anspruchsvoll, andererseits durchaus realistisch gewählt. Das eigene Leistungsvermögen sachlich einschätzen, sich aber dennoch fordern - das kann Dominik Schulz und das macht ihn zu einer Ausnahmeerscheinung im Jugendbereich. "Dominik ist nicht nur ein sehr talentierter Tennisspieler, ihn zeichnet besonders seine schon in jungen Jahren außergewöhnliche Zielstrebigkeit und sein enormer Trainingsfleiß aus", lobt DTB-Verbandsdirektor Klaus Eberhard.

Diese Eigenschaften waren es auch, die Schulz im vergangenen Jahr weit nach vorne gebracht haben. Zweimal erreichte der Fan der amerikanischen Rocker von Linkin Park bei hochrangigen ITF-Jugendturnieren das Finale, dreimal das Halbfinale. "Mein größter Erfolg 2009 war aber die Semifinalteilnahme im Einzel und im Doppel bei den Roland Garros Junior Championships in Paris. Insbesondere mein Sieg über Bernard Tomic bedeutet mir viel", sagt Schulz.  Im Achtelfinale des Junior Grand Slam Turniers hatte er das in Stuttgart geborene australische Supertalent sensationell in zwei Sätzen mit 7:6 (7:2), 7:6 (8:6) geschlagen. In der Runde der letzten Vier verlor er zwar gegen den derzeitigen Weltranglisten-Zweiten Gianni Mina aus Frankreich, das gute Ergebnis gab ihm aber genug Selbstvertrauen, um kurz darauf auch in Wimbledon weit, nämlich bis in das Viertelfinale, zu kommen.

In der ITF-Jugendweltrangliste knackte der Aufsteiger im Sommer erstmals die Top Ten und auch die Medien wurden plötzlich auf den jungen Spieler vom TC Großhesselohe aufmerksam. Im Dezember 2009 wählte ihn eine Fachjury aus 36 Tennisjournalisten sogar zum besten deutschen Nachwuchsspieler des Jahres. "Den Deutschen Tennis Preis zu gewinnen hat mich sehr gefreut", so Schulz. "Ich finde, ich habe bei den Grand Slams die konstantesten Leistungen gezeigt und es ist toll, dass das nun gewürdigt wurde." Doch Schulz ist nicht der Typ, der sich auf dem Erreichten ausruht. Er weiß, dass er auf dem Weg zum Topprofi noch viel lernen muss. Ein Schlüsselerlebnis war das gemeinsame Training mit US-Star Andy Roddick Ende letzten Jahres in Miami: "Das war klasse und hat mir wirklich die Augen geöffnet. Die Intensität des Trainings war krass und ich habe einige Tage gebraucht, um da Schritt zu halten. Die Erfahrung hat mich aber zu einem deutlich besseren Spieler gemacht."

Daheim in Deutschland nutzt er seit zwei Jahren die Möglichkeiten am DTB-Bundesstützpunkt in Oberhaching, um sich für den Turnieralltag fit zu machen. Dort trainiert auch sein bester Freund auf der Tour, der Coburger Kevin Krawietz. "Wir kennen uns seit dem siebten Lebensjahr und haben schon auf dem Kleinfeld gegeneinander gespielt. Wir respektieren uns und durch unsere Erfolge spornen wir uns natürlich gegenseitig an", erzählt Schulz, der sich nach bestandener mittlerer Reife nun für ein Jahr ausschließlich auf den Sport konzentrieren will. Besonders wichtig ist für den Youngster sein Vater Karsten, ein ehemaliger Tennisprofi. Er war es, der Dominik im Alter von vier Jahren den ersten Schläger in die Hand drückte und bei ihm laufen auch heute noch alle Fäden zusammen: "Mein Vater ist sozusagen der Supervisor. Er macht meine Turnierpläne, stimmt sich mit dem Rest des Trainerteams ab und versucht immer, für mich das Bestmögliche zu erreichen." Das bedeutet aber nicht, dass sich der Teenager eingeengt fühlt. "Wir verstehen uns super, aber mein Vater lässt mir auch viel Freiraum. Er möchte, dass ich anfange, eigene Entscheidungen zu treffen", so Schulz.

Sich in Selbstständigkeit üben kann der Junior immer dann, wenn er in Sachen Tennis unterwegs ist. Bei den oft weiten Turnierreisen wird er nur von Florian Heiss begleitet. Der Physiotherapeut hilft dem angehenden Profispieler dabei, sich körperlich konstant weiterzuentwickeln: "Ihm habe ich in dieser Hinsicht viel zu verdanken. Wir harmonieren menschlich toll miteinander und daher passt er super ins Team." Beratend zur Seite stehen Dominik Schulz außerdem noch ein Konditionstrainer und ein Orthopäde. "Dominik hat schon jetzt ein sehr professionelles Umfeld. Dazu kommen sein Talent und sein Fleiß. Ich traue ihm einen ähnlich rasanten Aufstieg bei den Profis zu wie er Mischa Zverev gelungen ist, an den er mich stark erinnert", sagt Klaus Eberhard anerkennend.

Auch wenn Dominik Schulz bereits wie ein Profi lebt, trainiert und um die Welt reist - die Heimat bleibt ihm wichtig: "Weihnachten und Silvester war ich mit meiner Familie zusammen. Das brauche ich einfach, um aufzutanken und mich für neue Ziele zu motivieren." Und wer weiß, vielleicht bekommt er in paar Jahren Gesellschaft auf der Tour - von seiner kleinen Schwester Nadine. Die Elfjährige ist derzeit die Nummer 45 bei den Juniorinnen des Jahrgangs 1998. "Mein Vater will jetzt intensiver mit ihr arbeiten, denn Nadine hat viel Talent. Mal sehen, vielleicht startet sie in ein paar Jahren ja richtig durch", erzählt der große Bruder stolz. Dominik selbst will schon ein bisschen früher Gas geben und im Sommer möglichst viele Punkte bei den Herren sammeln. Wer das Nachwuchstalent einmal live erleben möchte, hat Anfang Mai die Gelegenheit dazu: "Wahrscheinlich spiele ich bei den BMW Open in München. Bis dahin möchte ich mich so verbessern, dass ich realistische Chancen habe, dort erfolgreich zu spielen."

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Erstellt durch Isabelle Chlosta, 27.01.2010

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