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Hamburg - Rund 1,6 Millionen Menschen spielen in deutschen Vereinen Tennis und machen den Deutschen Tennis Bund (DTB) zum mitgliederstärksten Tennisverband der Welt. Die Serie "Ein Verband - viele Gesichter" wirft einen Blick hinter die Kulissen des DTB und stellt die Menschen vor, die sich dort engagieren. Eine von ihnen ist Kirstin Schaaf, Bereichsleiterin des Ressorts "Sport".
"Ich habe Tennis schon immer geliebt und bin praktisch auf dem Platz aufgewachsen. Beim Deutschen Tennis Bund angestellt zu sein ist für mich daher schon etwas Besonderes", erzählt Kirstin Schaaf. Die 29jährige ist seit 2005 beim DTB und koordiniert dort das Ressort "Sport", das im Wesentlichen die Bereiche Leistungssport, Jugendsport, Seniorensport, Bundesliga und Schiedsrichterwesen umfasst. Dabei sind der Leistungssport und die HEAD German Masters Series ihre derzeitigen Hauptaufgabenfelder.
HEAD German Masters Series - das ist die seit 1977 bestehende nationale Turnierserie des Deutschen Tennis Bundes und mit aktuell über 60 Veranstaltungen im Jahr eine der weltweit größten dieser Art. "Damit wollen wir jungen Talenten den Einstieg ins Profigeschäft erleichtern. Hier kann der deutsche Tennisnachwuchs sozusagen vor der Haustür erste Erfahrungen und Punkte sammeln", berichtet Kirstin Schaaf. Als Beispiel für den Erfolg dieses Konzepts nennt sie die 16jährige Nachwuchshoffnung Annika Beck. "Sie nutzt die Möglichkeiten der HEAD German Masters Series optimal. In Kaarst hat sie Anfang dieses Jahres ihr allererstes Damen-Turnier gewonnen, keine Autostunde von ihrer Heimatstadt Bonn entfernt." Dieser Triumph ließ nicht nur viele Kenner innerhalb der deutschen Tennis-Szene aufhorchen, auch Beck hat der Titelgewinn einen Schub gegeben. "Daran sieht man deutlich, was für eine tolle und wichtige Chance die HEAD German Masters Series für junge deutsche Tennistalente ist", betont Kirstin Schaaf.
Doch auch für die deutsche Turnierlandschaft stellt die HEAD German Masters Series laut Schaaf eine Bereicherung dar: "Der DTB ist ständig bemüht, neue Veranstaltungen in die Serie zu integrieren und die bestehenden Events gemeinsam mit den Organisatoren auszubauen." So entwickelten sich beispielweise die als nationales Preisgeldturnier an den Start gegangenen Marburg Open in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt zu einem hochdotierten ATP-Challenger. Solche Erfolgsgeschichten machen Kirstin Schaaf glücklich, denn nur ein qualitativ hochwertiger Turnierkalender erlaubt es deutschen Spielern, sich vor heimischem Publikum zu präsentieren und so das Interesse am Sport zu fördern.
Neben den notwendigen Abstimmungen mit den Tennisorganisationen ITF, ATP und WTA steht Kirstin Schaaf den Turnierveranstaltern als Ansprechpartnerin zur Verfügung. "Der persönliche Kontakt zu den Verantwortlichen ist mir sehr wichtig und über die Jahre gewachsen." Zudem arbeitet die gebürtige Zwickauerin ständig daran, die HEAD German Masters Series durch das Angebot zusätzlicher Services noch attraktiver zu gestalten: "Besonders stolz bin ich auf unser neuestes Projekt, die DTB-Livescores." Damit können Tennisinteressierte alle Matches der HEAD German Masters Series und auch der Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren Punkt für Punkt im Internet verfolgen. "Mit den DTB-Livescores passen wir uns den Nutzungsgewohnheiten der Menschen an. Nur wer mit der Zeit geht und im Netz präsent ist, erreicht heutzutage die Massen."
Um ihren zweiten Zuständigkeitsbereich, den Leistungssport, kümmert sich Schaaf in enger Zusammenarbeit mit Sport- und Verbandsdirektor Klaus Eberhard. Gemeinsam mit ihm arbeitet Schaaf daran, die Rahmenbedingungen für Tennis als Spitzensport zu optimieren. "Das beinhaltet die Koordination von Fördermaßnahmen für die DTB-Kaderspieler, die Organisation von Lehrgängen, die Kommunikation mit den DTB-Bundesstützpunkten, die Beantragung von Fördermitteln beim Bund und natürlich auch die Budgetverwaltung", erklärt die Sächsin. "Wir wollen das deutsche Tennis voranbringen und dazu müssen natürlich die sportlichen und finanziellen Strukturen stimmen." Nur ein Beispiel für die Arbeit in diesem Bereich ist das DTB-Leistungssportkonzept. "Darin ist das Ziel formuliert, in Kooperation mit den Landesverbänden eine Infrastruktur zu schaffen, die es Talenten ermöglicht, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und sich im Spitzentennis zu etablieren", so Schaaf voller Überzeugung.
Mit denen, die das schon geschafft haben - den deutschen Topspielern - hatte Kirstin Schaaf intensiv im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 zu tun. An die Vorbereitungen für Peking denkt sie heute noch gerne zurück. Damals war sie für die Organisation und für die Kommunikation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Tennis-Weltverband ITF zuständig. "Von Einfuhrbestimmungen über Flugbuchungen bis hin zur WLAN-Beschaffung vor Ort lief alles über meinen Schreibtisch. Da war ich ganz dicht dran und habe noch mehr als sonst mitgefiebert. Ich war zwar dann in China nicht live dabei, aber das ganze Drumherum hat trotzdem total Spaß gemacht."
Diese gelebte Begeisterung für den Sport wurde Kirstin Schaaf in die Wiege gelegt, denn sowohl ihre Eltern als auch ihre Großeltern haben sich bereits zu DDR-Zeiten im Tennis engagiert. "Das war schon ungewöhnlich damals. Vor der Wende haben ja eher andere Sportarten wie Schwimmen oder Leichtathletik dominiert", erinnert sich Schaaf. Sie selbst wurde endgültig vom Tennisfieber gepackt, als sie Stefan Edberg spielen sah. "Seine Eleganz beim Serve and Volley hat mich damals unheimlich beeindruckt und motiviert." Obwohl eine gute Jugendspielerin, zog es die junge Frau nach dem Abitur zunächst jedoch nicht in die Tenniswelt, sondern zum Studium nach Oberfranken. In Bayreuth und Barcelona machte sie ihr Diplom in Sportökonomie: "Das war die richtige Vorbereitung auf meinen Job hier. An der Uni habe ich mich nämlich schwerpunktmäßig mit den Bereichen Sport, Wirtschaft und Recht beschäftigt und mir damit genau das Wissen angeeignet, das ich nun fast täglich anwenden kann."
Beim Deutschen Tennis Bund landete Kirstin Schaaf schließlich über ein Praktikum bei den Berliner "Ladies German Open". Den Schritt an den Hamburger Rothenbaum bereut sie bis heute nicht. "Besonders die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist hier einmalig. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen, das bleibt für die meisten Menschen nur ein Traum."
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Erstellt durch Isabelle Chlosta, 27.05.2010
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