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Der Deutsche Tennis Bund: Ein Verband - viele Gesichter
Marketing-Fachfrau Grit Blüthmann
Hamburg - Rund 1,6 Millionen Menschen spielen in deutschen Vereinen Tennis und machen den Deutschen Tennis Bund (DTB) zum mitgliederstärksten Tennisverband der Welt. Die Serie "Ein Verband - viele Gesichter" wirft einen Blick hinter die Kulissen des DTB und stellt die Menschen vor, die sich dort engagieren. Eine von ihnen ist Grit Blüthmann, zuständig für den Bereich Marketing.

Wer Grit Blüthmann in ihrem Büro in der DTB-Geschäftsstelle am Hamburger Rothenbaum besucht, dem fallen zunächst die Unmengen von Aktenordnern und sauber gestapelten Arbeitsunterlagen rund um den Schreibtisch der 43jährigen Diplom-Kauffrau auf. "Mein Arbeitsfeld ist die Vermarktung des Deutschen Tennis Bundes und seiner Produkte. Das beinhaltet viele, durchaus unterschiedliche Aufgabenbereiche und da ist Ordnung natürlich das halbe Leben", erklärt Blüthmann augenzwinkernd ihr ausgefeiltes Ablagesystem.

Doch auch wenn sie über sich selbst und ihre Eigenarten lachen kann - ihren Job nimmt Grit Blüthmann sehr ernst: "Als ich erfahren habe, dass mein Bereich vorgestellt werden soll, habe ich mir lange Gedanken gemacht, wie man den Begriff Marketing und seine Bedeutung für den Deutschen Tennis Bund am besten erklärt." In der Wirtschaft hat Marketing normalerweise das Ziel, den Absatz eines bestimmten Produkts zu fördern und dadurch den Gewinn für den Hersteller zu maximieren. Im Falle des DTB - einer sogenannten "Non-Profit-Organisation" - ist die Sachlage jedoch etwas anders: "Wir haben keine eindeutig greifbaren Produkte wie zum Beispiel Kartoffelchips oder Autos, die wir vermarkten können. Das macht aber nichts, denn Verbandsmarketing ist nicht am möglichst hohen Gewinn ausgerichtet. Verbandsmarketing soll dem Verband helfen, seine satzungsgemäßen Ziele zu erreichen", so Blüthmann.

Diese Ziele sind mit bestimmten Projekten verbunden: "Das geht von der Nachwuchsförderung über den Breitensport bis hin zu der Veranstaltung von professionellen Tennisevents", berichtet Blüthmann, die in Kiel Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Marketing und Innovationsmanagement studiert hat. "Meine Aufgabe ist es, Mittel zu gewinnen, mit denen solche Projekte finanziert werden können. Damit das gelingt, muss ich den DTB und das, was er zu bieten hat, für Wirtschaftspartner attraktiv präsentieren." Hierfür muss Grit Blüthmann einige Vorarbeiten leisten: Wo liegen die einzelnen Vermarktungsfelder des DTB? Welcher Sponsor könnte zu welchem Projekt passen? Welches Produkt kommt der Sponsoringstrategie welcher Unternehmen entgegen?

Der erste Schritt ist jedoch, Marktdaten zu erheben und auszuwerten. So hat der DTB gemeinsam mit den Förderpoolpartnern im vergangenen Jahr eine Sportsponsoring-Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse der DTB-Geschäftsführung, den Partnern und den Landesverbänden zur Verfügung stehen. "In der Studie wurde unter anderem die Sportmediennutzung der sportinteressierten Zielgruppe in Deutschland analysiert und das Image verschiedener Sportarten abgefragt. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand war die Frage nach dem Interesse an bestimmten Tennis-Veranstaltungen", erläutert Blüthmann. "Das war wirklich sehr hilfreich. Durch die Umfrage haben wir zum Beispiel einiges über das Ansehen des Davis Cups erfahren. Der Mannschafts-Wettbewerb wird nämlich immer noch mit großer Aufmerksamkeit verfolgt." Solche Erkenntnisse sind notwendig, um mögliche Sponsoren von einem Engagement im Tennis-Bereich zu überzeugen. Gerade beim Thema Davis Cup wird das deutlich: Eigentlich ist die Veranstaltung ein Vorzeigeprodukt, aber pro Jahr finden nur wenige Begegnungen statt und Heimspiele sind dabei nicht garantiert. "Derzeit sind wir aktiv auf der Suche nach einem Team Sponsor. Anhand der Ergebnisse unserer Studie können wir möglichen neuen Partnern nun detaillierter als bisher zeigen, dass sich ein Einsatz in diesem Bereich lohnt", so die Mutter von zwei Söhnen.

Die Entwicklung von Sponsoringstrategien auf der Grundlage solcher Daten ist der zweite Schritt auf dem Weg zur Gewinnung von Finanzmitteln. Grit Blüthmann: "Meine Idealvorstellung von Davis Cup Sponsoring ist eine umfassende und vernetzende Kommunikation über das ganze Jahr hinweg. Um das zu erreichen, könnte man ein Engagement beim Davis Cup Team mit der Förderung des männlichen DTB-Nachwuchses verbinden. Das gleiche gilt natürlich für den Fed Cup und die deutschen Juniorinnen." Ein solches Sponsoringpaket mit der Kombination von Profi-Tennis und Nachwuchsförderung macht Sinn. Durch die enge Kooperation des DTB mit den Landesverbänden und den Bundesstützpunkten wäre der Geldgeber ganzjährig auf breiter Front präsent.

Sind die Leistungspakete geschnürt und an den Mann gebracht, muss sich Grit Blüthmann um die konkrete Umsetzung der Inhalte kümmern. Dabei arbeitet sie häufig mit den anderen Abteilungen im DTB zusammen: "Besonders gut hat das im letzten Jahr beim ,Midcourt'-Projekt funktioniert." Um das neue Format im Bereich Kinder-Tennis bekannt zu machen, stellte Blüthmann zunächst gemeinsam mit Katharina Bleser aus dem Ressort "Ausbildung und Entwicklung" ein spezielles Midcourt-Vereinspaket zusammen. Nachdem dafür ein geeigneter Förderpartner gefunden war, entwickelte sie mit Kirstin Schaaf aus dem Ressort "Leistungssport" eine eigene Kinder-Turnierserie im Rahmen der HEAD German Masters Series. "Das war super Team-Arbeit", erinnert sich Blüthmann. "Genau diese Bereitschaft zur Kooperation unter Kollegen ist der Grund, warum mir die Arbeit beim DTB so viel Freude macht."

Bei soviel Engagement und Ideenreichtum mag man kaum glauben, dass die engagierte Marketing-Fachfrau eher zufällig beim Deutschen Tennis Bund gelandet ist. "Man könnte wohl sagen, dass ich einen bunten Lebenslauf habe", schmunzelt Blüthmann. Nach dem Studium heuerte sie zunächst bei Kraft Foods in Bremen an, wo sie sich zuletzt als Senior Brand Managerin mit diversen Kaffee-Marken beschäftigen durfte. "Während der Erziehungszeit meiner beiden Söhne habe ich dann mit meiner Schwester ein Atelier für Abend- und Festgarderobe in Kiel gegründet. Unsere großen Modenschauen, zum Beispiel in der Kunsthalle, waren wirklich etwas Besonderes." Private Gründe führten Grit Blüthmann schließlich nach Hamburg und nach einem Abstecher in die Musikbranche stieg sie 2005 beim Deutschen Tennis Bund ein. Bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber fühlt sich die kreative Heimwerkerin rundum wohl: "Es herrscht gerade eine richtige Aufbruchsstimmung hier beim DTB und den Landesverbänden. Wenn wir das richtig nutzen, werden wir in der Zukunft einiges bewegen."

Für das Jahr 2010 hat sich Grit Blüthmann jedenfalls viel vorgenommen: "Ich möchte bei zentralen Projekten gerne enger mit den Landesverbänden zusammenarbeiten. Zudem gilt es, die Sichtbarkeit des DTB zu verstärken. Unser Verband ist eine wertvolle Marke und das müssen wir noch viel mehr betonen!"

 

Sie haben den ersten Teil der Reihe "Ein Verband - viele Gesichter" verpasst? Kein Problem, klicken Sie hier und erfahren Sie mehr über den Deutschen Tennis Bund und seine Mitarbeiter.
 

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Erstellt durch Isabelle Chlosta, 03.03.2010

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